Gemeinderätin Jutta Kuch mit Familie in Corona-Quarantäne

Seit dem 20.4.20 befindet sich die Gemeinderätin und Krankenschwester Jutta Kuch in häuslicher Quarantäne. Die Freien Grünen Westhausen (FGW) sprachen mit ihr.

FGW: Jutta, zunächst wie geht es Dir und Deiner Familie?

Jutta: Eigentlich ganz gut. Ich selbst bin nicht infiziert und negativ getestet, jedoch meine Tochter Katharina wurde infiziert. Sie pflegt auf der Intensivstation des Ostalbklinikum Patienten mit schwerem Verlauf der Infektion. Mit ihr zusammen wurde uns häusliche Quarantäne verordnet.

FGW: Infiziert heißt?

Jutta: Es haben sich Kopfschmerzen und Übelkeit eingestellt. Nach 2 Tagen war das aber weitestgehend vorbei. Bei vielen Infizierten verläuft das so harmlos. Menschen, die kein gutes Immunsystem haben, sich ungesund ernähren, rauchen oder vorerkrankt sind, geht es da i.d.R. wesentlich schlechter.

FGW: Häusliche Quarantäne – wie erlebt ihr das und wie kommt ihr „über die Runden“?

Jutta: Häuslich heißt nicht, dass wir uns nur im Haus aufhalten dürfen. Wir haben einen kleinen Garten, den wir selbstverständlich nutzen dürfen. Das Grundstück zu verlassen, ist uns untersagt. Versorgt werden wir von Freunden und Bekannten, die sich spontan angeboten haben. Darüber haben wir uns sehr gefreut.

FGW: Was hältst Du von den Maßnahmen, z.b. den Einschränkungen sozialer Kontakte, Veranstaltungsverboten etc.?

Jutta: Ich finde es gut, wie die Politik hier reagiert hat. Sie ist für mich das erste Mal wahrnehmbar, dass den Ratschlägen der Wissenschaft gefolgt wird und gesundheitliche Notwendigkeiten den wirtschaftlichen Konsequenzen vorangestellt wird.

FGW: Wie empfindest Du die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte?

Jutta Kuch: Uns wurde untersagt, Details zu unserer Arbeit in den Kliniken zu veröffentlichen. Es ist aber ja allgemein bekannt, dass wir in Deutschland außer auf Intensiv keine Pflegeschlüssel haben, d.h. Anzahl Pflegekräfte auf Anzahl Patienten. Jetzt mit Corona haben wir Verhältnisse, fast wie in Schweden. D.h. auf eine Schwester kommen max. 6-7 Patienten. Üblich waren bisher 12- 15 und in der Nachtschicht noch viel mehr. Und dazu „dürfen“ wir noch Auszubildende während der Arbeit anleiten. Anstatt Entlastung empfinden das viele als Belastung. Auch werden uns die Auszubildenden in der Zahl der arbeitende „Köpfe“ angerechnet. 

FGW: Zurück zur Corona-Pandemie. Wie siehst Du das global?

Jutta Kuch: Wir haben in den letzten 100 Jahren, insbesondere der letzten 30 Jahre, über unsere Verhältnisse gelebt. Wir nutzen die Erde aus, als ob es an deren Ende im Supermarkt eine zweite gäbe. Viele meinen, sie benötigen im Winter Tomaten und Kiwi, im Sommer muss es der Ballermann oder Hurghada sein und im Winter, egal ob es schneit oder nicht, ist Skifahren angesagt. Viele Kinder übernehmen das als normale Lebensweise und setzen dem noch etwas drauf. Wohin das führt ist leicht vorhersehbar.

FGW: Was schlägst Du vor?

Jutta: Oh je. Ich/wir sind auch keine Heiligen.  Aber vielleicht dazu Folgendes:

1. Leben mit und nicht gegen die Natur:

Ich gehe gerne mal eine Stunde in die Natur. Beobachte auf einer Blumenwiese, wie emsig und im Einklang mit der Natur die Bienen, Käfer und Schmetterlinge da sind. Das ist so entspannend und tut dem Körper und der Seele gut.

2. Gesund ernähren und den Körper stärken:

Eigenes Obst und Gemüse aus dem Garten, für ein giftfreies und saftiges Essen im Sommer und Herbst zu haben, oder für den Winter einzumachen, schätze ich sehr. Wer keinen Garten hat mein Tipp: die Gemeinde hat seit langer Zeit viele Schrebergärten zur Vergabe frei. Und teure Geräte muss auch keiner anschaffen, die kann man sich beim Westhausener Geräteverein weShare ausleihen.

Um dem Körper eine gesunde Balance zu geben, achte ich auf das Kleingedruckte bei den Körperpflegemitteln. Natur steht oft drauf, ist aber nicht immer drin. Auf Wikipedia prüfe ich die Inhaltsstoffe auf ihre Wirkung. Das ist manchmal etwas aufwendig, macht sich aber langfristig bezahlt. Selbst bei der Zahnpasta wurde ich schon negativ fündig. Auch erbgutschädigend und/oder krebserregende Stoffe fand ich schon. Das stresst den Körper und reduziert seine Abwehrkräfte. Der Körper vergisst nichts. Das sehe ich bei meiner täglichen Arbeit in der Klinik.

3. Macht mal Urlaub im Ländle:

Für den Urlaub nutzen wir jetzt noch mehr das Fahrrad. Neu in Westhausen gibt es jetzt einen eBike-Laden. Darauf bin ich gespannt. Wir fahren gerne raus und besuchen Ausflugsziele und Gastwirtschaften im Land.  Manchmal soweit, dass wir nur noch mit dem Zug zurückkommen können, oder nach einer Übernachtung erst am nächsten Tag wieder zuhause sind. Das empfinden wir entspannender, als Stunden im Flieger zu sitzen um dann um einen Liegeplatz am Pool zu kämpfen, oder in Horden durch Städte geführt zu werden.

FGW: Jutta, danke für das Gespräch. Wir von der Freien Grünen Liste, aber sicher auch viele Bürgerinnen und Bürger aus Westhausen und dem Ostalbkreis, danken Dir, Deiner Katharina und Euren KollegInnen für Eure Arbeit an den Patienten, wünschen Euch „Bleibt gesund“ und freuen uns schon, Euch nach der Quarantäne wiederzusehen.

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